Mobile-Teaching bedeutet, dass die Schülerinnen und Schüler, nicht nur während des Unterrichts digital Arbeiten, sondern dieses zu jeder Zeit an jedem Ort tun können. Sie sollen den Unterricht auch zu Hause zur Verfügung haben, Hausaufgaben erledigen und Klausurvorbereitung betreiben.
Und das geht nur wenn die Schülerinnen und Schüler ihre eigenen digitalen Endgeräte wie Smartphone, Tablet & Co. nutzen.

BYOD

Bring Your Own Device ist ein “Schlagwort”, das bei Kolleginnen und Kollegen sicherlich nicht beliebt ist oder sogar als unmöglich erscheint. Nach meiner Erfahrung mit Mobile-Teaching und eben auch mit BYOD, sehe ich das deutlich entspannter. Ich unterrichte vollständig digital, also nach Mobile-Teaching und habe bisher keine Probleme mit diesem Konzept. Weiterhin bin ich davon überzeugt, wenn digitaler Unterricht, und zwar nicht nur auf Lehrerseite, zu einer Selbstverständlichkeit werden soll, und damit nicht nur blitzlichtartiger oder phasenweiser Unterricht gemeint ist, dann werden wir um BYOD nicht herumkommen. Ich halte es zumindest für die nähere Zukunft für unwahrscheinlich, dass unseren Schülerinnen und Schülern in der Schule sowie für zu Hause ein digitales Endgerät zur Verfügung gestellt wird. Bisher besitzen alle Schüler in meinem Unterricht ein Smartphone – warum sollte ich, bzw. die Schülerinnen und Schüler dieses also nicht benutzen? Es wird doch auch mit einer gewissen Selbstverständlichkeit die private Bereitstellung von anderen Materialien gefordert. Das beginnt bei “Selbstverständlichkeiten” wie Blöcke, Stifte, Lineale über Arbeitshefte, Bücher bis hin zum Taschenrechner, der zumindest in höheren Schulformen dem Preis eines für Mobile-Teaching ausreichendem Tablet bedenklich nahe kommt. Warum wird bei einem Smartphone oder Tablet ein so deutlicher Strich gezogen? Ein Smartphone besitzen die Schülerinnen und Schüler ohnehin, bedeutet also keine Zusatzkosten. Und das Land Niedersachsen sieht das ähnlich.
Im Masterplan Digitalisierung des Landes Niedersachsen steht unter 2.7 Digitale Bildung auf Seite 77 zu den Zielen der Landesregierung

“Flächendeckende Einführung von persönlichen digitalen mobilen Endgeräten in weiterführenden Schulen und Anerkennung dieser Endgeräte als Lernmittel.”

Unter Maßnahmen zur Zielerreichung steht auf Seite 78

“Die Landesregierung plant, digitale Endgeräte als Lernmitteln anzuerkennen, so dass diese damit der Ausstattungspflicht unterliegen würden.”

In der Ziellinie 2020 – Medienkompetenz in Niedersachsen wird im Punkt III-4. Ausbau und Qualitätssicherung durch Netzwerkbildung auf Seite 39 ebenfalls zum BYOD Stellung genommen

“Bei der Systembetreuung muss der Entwicklung Rechnung getragen werden, dass die Orientierung auf schülereigene digitale Endgeräte (Bring Your Own Device) eine andere IT-Infrastruktur und eine veränderte Form des Supports erfordert. “

“Das Ziel des fortgeschriebenen Medienkonzepts bleibt insoweit unverändert, als dass alle Schülerinnen und Schüler weiterführender Schulen mit persönlichen, elternfinanzierten digitalen Endgeräten ausgestattet werden. “


Ob Smartphone oder Tablet, einen leistungsstarken Taschenrechner bringen beide mit und ganz nebenbei noch Internet, Kamera, Videorekorder, Diktiergerät, Schreibfunktion, Bildschirm, unzählige kostenfreie Apps, jede Menge Sensorik für den Physikunterricht und … und … und …
Ich persönlich betrachte diese Geräte als unglaublich leistungsstark und vielseitig – die perfekten Geräte für die Digitalisierung des Unterrichts.

Wie bekommen die Schülerinnen und Schüler meine Unterrichtsmaterialien?

Meine Unterrichtsmaterialien, besonders meine Arbeitsblätter, welche ich als PDF-Formular erstellt, und auf meinem Unterrichtsgerät (Smartphone, Tablet,…) habe, müssen die mobilen Geräte, also Smartphone, Tablet & Co. der Lernenden erreichen. Flexibel und schnell geht das über W-LAN, und das – auch – wenn die Schule ein solches gar nicht hat oder diese Funktionalität nicht zulässt.

Das mobile W-LAN

Ein kleiner, mobiler W-LAN Router ist genau dafür gemacht. Vergleichbar mit der heimischen FRITZ!Box, nicht mit deren Funktionsumfang, aber klein und ausreichend. Dabei ist die Aufgabe eines W-LAN Routers, alle verbundenen Geräte kabellos zu verbinden (vernetzen) und dadurch einen Datei- bzw. Datenaustausch zu ermöglichen. Diesen Router nehme ich mit in den Klassenraum … Stecker in die Steckdose … und wenige Sekunden später habe ich “mein eigenes, kleines W-LAN“, und zwar ganz ohne Internetverbindung. Mit diesem können sich nun alle mobilen Geräte verbinden, wodurch ein Datenaustausch zwischen den Geräten möglich ist. Das W-LAN hat im Gegensatz zu anderen Methoden wie z.B. Bluetooth oder USB-Stick, den großen Vorteil, dass alle Lernenden gleichzeitig und damit schnell “bedient” werden.
Und sollte in der Schule bereits W-LAN vorhanden sein, kann man natürlich dieses benutzen und benötigt keinen eigenen mobilen W-LAN Router.

Der FTP-Server

FTP-Server gibt es zahlreich als kostenfreie Apps, die nur eine Aufgabe haben: Bereitstellen von Dateien in einem Netzwerk, und ein solches ist “mein” W-LAN.
App öffnen … Ordner mit meinen Unterrichtsmaterialien (Dateien) auswählen … Server starten.
Eine weitere Variante, z.B. bei Verwendung eines Windows PCs, ist die Freigabe eines Ordners im Netzwerk (mein W-LAN). Dieser Ordner ist dann im Netzwerk sichtbar und kann die zu verteilenden Dateien enthalten.
Nun können alle anderen Geräte in dem W-LAN den freigegebnen Ordner oder den FTP-Server “anwählen” und sich die Dateien herunterladen. Dafür stehen den Geräten, also den Lernenden, wenigstens 3 Möglichkeiten zur Verfügung.

Das Herunterladen

Browser
Um den FTP-Server zu erreichen, muss lediglich in einem Internet-Browser die Adresse des Servers eingegeben werden, z.B.: ftp://192.168.1.100:2121, welche der FTP-Server groß anzeigt und abgelesen werden kann.
Die Dateien (Arbeitsblätter) werden angezeigt und können durch einfaches “antippen” heruntergeladen werden.
Und das funktioniert plattformunabhängig, also mit allen Geräten, egal ob Android, IOS oder Windows!
Ab diesem Moment stehen die Dateien, also meine Arbeitsblätter, auf den Geräten der Lernenden zur Bearbeitung zur Verfügung.

FTP-Client
Auf lange Sicht etwas komfortabler ist die Verwendung eines FTP-Clients zum Herunterladen der Dateien vom FTP-Server.
Auch diese gibt es zahlreich als kostenfreie Apps und funktionieren ebenso einfach wie der FTP-Server. Der FTP-Client ermöglicht es mir, vergleichbar mit dem Windows Explorer, Dateien zwischen verschiedenen Ordnern zu bewegen (verschieben, kopieren,…). Dabei ist ein Ordner z.B. die SD-Karte meines mobilen Gerätes, und der Andere ist der Ordner des FTP-Servers.
Einmal eingerichtet ist dies eine einfache und schnelle Möglichkeit des Datendownloads, und vor allem: Es können auch Daten auf den FTP-Server hochgeladen werden! Ideal zum Einsammeln von Arbeitsergebnissen, Hausaufgaben, Referaten, Klassenarbeiten?, … bzw. zum wiederum anschließenden Download durch andere Lernende, also ein Verteilen von Dateien (HandOuts, Präsentationen,…) innerhalb der Lerngruppe.

Dateimanager
Viele Dateimanager bieten die Möglichkeit eine Netzwerkverbindung herzustellen. Diese Funktion ist im Grunde ein FTP-Client und mit diesem vergleichbar.


Arndt Wolkenhauer


weiterlesen Typische Probleme / Fehler