20.06.2020

Nach ca. 9 Monaten Unterricht nach Mobile-Teaching (SJ 19/20) möchte ich kurz meine Erfahrungen und Eindrücke schildern.

Ich – der Lehrende

Eins vorweg: Ich möchte nicht mehr anders unterrichten!

Ich glaube, dass mir gerade die Einfachheit dieses Konzeptes gefällt. Denn im Kern besteht Mobile-Teaching lediglich aus der Verwendung von PDF Formularen. Aber gerade diese “Schlankheit” ermöglicht es mir meinen bisherigen Unterricht weiter zu verwenden und dennoch, wie selbstverständlich an und mit digitalen Endgeräten zu arbeiten.
Und das ohne Nutzung von Infrastruktur oder Technik der Schule … Ohne W-LAN … Ohne Internet ….Ohne Investitionskosten …. Ohne Kosten auf Schülerseite !!!

Zumindest ICH, habe in Mobile-Teaching das zu mir passende digitale Konzept gefunden. Ich kann geplant und ungeplant, völlig flexibel auf alle Möglichkeiten, die digitale Endgerät wie Smartphone und Tablet mitbringen, zugreifen und diese in den Unterricht integrieren.

Die erstellten Arbeitsblätter (PDF-Formulare) lassen sich problemlos in andere Plattformen (LMS – Learning Management System) integrieren (IServ, NBC, Moodle, …) und haben sich als besonders praktisch und geeignet für das Distanzlernen (HomeSchooling) erwiesen, da diese nicht ausgedruckt werden müssen, sondern direkt am digitalen Endgerät bearbeitet werden können. Und das unabhängig vom verwendetem Endgerät wie Smartphone, Tablet, Notebook, Desktop-PC, …. und unabhängig vom verwendetem Betriebssystem wie Android, iOS, Windows, Mac OS, Linux …
Besonders interessant ist die Möglichkeit die PDF-Formulare auch mit interaktiven Inhalten auszustatten und so den Unterricht noch “lebendiger” zu gestalten und den Lernenden noch eigenständigeres Arbeiten zu ermöglichen. Dabei können Videos und Audioinhalte integriert werden, Buttons zum Drucken, als E-Mail senden oder zurücksetzen des Formulars und auch automatische Berechnungen und Kontrolle der Lösungen können realisiert werden (Beispiel Interaktives Arbeitsblatt – mit Xodo oder Adobe Acrobat öffnen).

Die Arbeitsblätter -meine Arbeitsblätter- bleiben bei mir. Ich möchte derzeit meine Arbeitsblätter noch nicht auf/über andere Plattformen wie z.B. das bei uns verwendete LMS (Moodle) erstellen. Da die digitalen Strukturen sich gerade erst entwickeln, geben mir die flexibel einsetzbaren PDF-Formulare derzeit mehr “Sicherheit” für die Zukunft.

Mit dem Konzept BYOD hatte ich keine Probleme. Ich habe ca. 10 Klassen und ca.150 Lernende digital unterrichtet, und es gab nicht einen einzigen Lernenden, der kein geeignetes Smartphone besaß. Alle Schüler arbeiten mit ihren Smartphones. Einige beginnen derzeit sich Bluetooth-Tastaturen anzuschaffen, um besser schreiben zu können. Andere erscheinen in der Schule mit Tablet.

Ich war noch nie so entspannt!
Wenn ich nach Hause komme, brauche ich meine Unterrichtsmaterialien nicht mehr “zurück ordnen”. Ich brauche mir keine Gedanken darüber machen, welche Fächer oder Klassen ich morgen unterrichte, um die Materialien aus meinen Ordnern auszuheften und in mein Rucksack zu packen, denn ich habe meinen gesamten Unterricht, Bücher, Videos, … samt Planung/Ablauf auf meinem Smartphone immer dabei. Ich fertige keine Kopien mehr an, brauche also nicht an den Kopierern zu warten oder das Kopieren im Vorfeld zu planen. Arbeitsblätter, die ich für nicht anwesende Lernende zum späteren Aushändigen verwahre, gibt es nicht mehr. Ich starte ohne Sorge in den Unterrichtstag und beende diesen auch so.

In der gesamten Zeit funktionierte die “Technik” zuverlässig. Das betrifft mein Smartphone, den mobilen W-LAN Router, das Verteilen der Arbeitsblätter, deren Bearbeitung, “Spiegeln” des Displays meines Smartphones am Smartboard,… – ich sehe die Unabhängigkeit von der Infrastruktur der Schule als Vorteil, und hätte dennoch die Möglichkeit diese einzubinden, bzw. zu nutzen (W-LAN, www, …).
Auch mit den vielen verschieden Endgeräten der Lernenden gibt es keine “unlösbaren” Probleme. Im Gegenteil: Der Großteil der Probleme sind auf “Fehler”/”Fehlbedienung” der Lernenden zurückzuführen und bei diesen helfen und Unterstützen sich die Lernenden gegenseitig, bzw. suchen und finden geeignete Lösungen….und genau das will ich doch! “Probleme”, oder das etwas “nicht so funktioniert wie es sollte” kennen wir alle – das gehört zur EDV bzw. Digitaltechnik dazu. Um so wichtiger ist, dass sich die Lernenden daran “gewöhnen” und nicht entmutigt aufgeben, sondern geeignete Lösungsstrategien entwickeln und im Umgang mit digitalen Geräten an Sicherheit gewinnen.

Das direkte Verteilen der Ab´s über den eigenen W-LAN-Router kann Verletzungen des Urheberrechtes vermeiden. Nach diesem dürfen kopierte Inhalte aus Schulbüchern nicht Online verfügbar gemacht werden, wie das z.B. bei LMS wie IServ, Moodle, … der Fall wäre. Ein weiterer Vorteil bei der Verwendung des mobilen W-LAN-Routers sehe ich in der Tatsache, dass das W-LAN-Signal örtlich und zeitlich stark begrenzt zur Verfügung gestellt wird, eine dauerhafte Ausleuchtung des Gebäudes entfällt.

Ich habe nun auch damit begonnen meine Klassenarbeiten digital zu schreiben (online über Moodle). Das klappt hervorragend! Die Erstellung der Klassenarbeiten ist zwar aufwändiger, aber dafür reduziert sich die Korrekturzeit, sodass sich der Mehraufwand nach 2-3 Arbeiten auszahlt. Auch die Möglichkeit häufiger zu Beginn einer Unterrichtsstunde einen kurzen unangekündigten Test über die letzten 2 oder 3 Stunden zu schreiben reizt mich sehr, da die verwendeten Fragen die Grundlage für die spätere Klassenarbeit bilden können, ich diese also nicht vollständig anfertigen muss, ich viele “kleine” Noten erzeuge, und das wichtigste: die Lernenden zum regelmäßigen Wiederhohlen des Unterrichtsstoffes “motiviere”, und das kommt meinem Unterrichtsverlauf und deren Wissensstand zugute.
Und Eines kann ich ganz sicher sagen: Die Klassenarbeiten werden dadurch nicht “leichter”! Ich kombiniere vorrangig folgende Fragetypen: Single Choice, Multiple Choice, Lückentexte, Zahlenfelder für Rechnungen. Bei allen Rechenaufgaben werden Zahlenwerte und zugehörige Lösungen bei jedem Durchlauf einer Arbeit neu berechnet. Alle Lernenden erhalten die Aufgaben in unterschiedlicher Reihenfolge. Auch die Lösungen erscheinen stets in unterschiedlicher Reihenfolge.
Ich bin begeistert!

Ich führe jede einzelne Unterrichtsstunde digital und fertige nahezu keine Papier-Kopie mehr an – Ich bin sehr zufrieden.

Die Lernenden

Es gibt Unterschiede zwischen den Klassen.
In manchen Klassen ist die Zustimmung bzw. Ablehnung zum digitalen Unterricht größer – in anderen geringer. Dennoch überwiegt die Zustimmung und im Laufe der Zeit konnte ich beobachten, dass auch Lernende, die zuvor keine Gelegenheit ausließen ihren Wunsch nach Papier zum Ausdruck zu bringen, sich mehr und mehr auf den digitalen Unterricht einlassen. Das betrifft natürlich nicht alle … das wird es sicherlich auch nie.

Die Schule – Kollegen/innen

Ich habe mit vielen Kollegen/innen Gespräche über Mobile-Teaching und meinen Erfahrungen geführt. Der Großteil meiner Kollegen/innen sieht das Konzept eher kritisch und reagiert zögernd, was, zumindest basierend auf meinen Gesprächen, vorrangig mit dem Konzept BYOD und dem kleinen Display des Smartphones begründet wird. Die Idee der PDF-Formulare wurde von meinen Kollegen/innen aufgegriffen und wird für die Bereitstellung von Arbeitsblättern/Unterrichtsmaterialien in unserem LMS genutzt.

Medienkonzept

Auf Grundlage der Erfahrungen mit Mobile-Teaching und der Corona-Krise im Jahr 2020 entwickelte ich ein digitales Unterrichtskonzept bzw. Medienkonzept. Dieses digitale Unterrichtskonzept basiert auf Mobile-Teaching, digitalisiert den Unterricht, ermöglicht das Distanzlernen und ist einfach und kostengünstig umsetzbar.